Kreamtorium



1910 eingeweiht, wurde aufgrund des vorherrschenden Grundwasserproblems fast vollständig oberirdisch errichtet und tat seinen Dienst bis in die 1990er Jahre. Entsprechend mehrerer Quellen wurden hier bis zu 100.000 Verstorbene eingeäschert. Hinter dem Krematorium errichtete man einen eigenen Urnenfriedhof. In den 1930er Jahren war aufgrund steigender Einäscherungszahlen eine Erweiterung des Gebäudes sowie leistungsfähiger Verbrennungstechnik, Lagermöglichkeiten und Platz für mehr Personal notwendig. Man schuf einen rückwertigen Anbau für Büro, Fahrstuhl und Lager, mauerte offene Säulengänge zu um zusätzlichen Kühlraum zu schaffen. Das Eis zur Kühlung der Leichen produzierte man in den Kellerräumen mittels Eismaschine, verkaufte selbiges auch an Dritte.
Am 13. Juli 1932 wurde der Leichnam des Sozialdemokraten und Antifaschisten Wilhelm Feuerherdt – eine bekannte Persönlichkeit der Stadt – im Garten SPD-Hauses aufgebahrt und anschließend folgten Tausende Einwohner und Freunde dem Sarg auf dem Weg zum Krematorium. Hier wurde er eingeäschert. Bei einer Rückfahrt von einer Kundgebung in Zerbst kam es in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1932 vor dem Schweizerhaus zu einer Auseinandersetzung zwischen seiner Reichsbannergruppe und einer Gruppe Nationalsozialisten, welche in der Lokalität ihr Stammlokal hatten. Aus einem Wortwechsel wurde eine handfeste Schlägerei und es kam zu Schusswechseln und Angriffen mit Hieb- und Stichwaffen. Feuerherdt erlag noch in der Nacht seine schweren Stichverletzungen im Gesicht und im Rücken.
2012 fanden im Gebäude unter der Regie des Grimmepreisträgers Nikolaus Geyrhalter Dreharbeiten statt, der mit seiner Produktionsfirma stundenlang in dem Gebäude für das Dokumentarfilmprojekt mit dem Titel „Irgendwann“ anwesend war. Das Drehteam reiste eigens dafür aus Wien an.

 

Der Gesamtzustand des unter Denkmalschutz stehenden Krematoriums ist besorgniserregend. Während im Trauerraum Vandalen und Schrottjäger gewütet haben und die Witterung ihr übriges tut, findet man in den unteren Etagen Graffitis, Kritzeleien und Brandschäden. Der Einführwagen war bereits mehrere Male aus den Gleisen gehoben worden, Schamottemarken sowie Kunststoff- und Keramikurnen sind weit verstreut auf den Böden zu finden. Nichts scheint vor der Zerstörungswut einiger heilig zu sein – nicht mal ein ehemaliges Krematorium.
Quelle: Ohlsdorf, Wikipedia, Mitteldeutsche Zeitung, D. Kalender 1982
In den 1980er Jahren schloss man zuerst die Trauerhalle und demontierte die auf Wasserdruck betriebene Versenkungsanlage. Noch vorhanden sind Aschemühle und die Techniketage mit Einführwagen auf dem Drehkreuz-Schienensystem der die Y-förmig angelegten Etagenöfen erreichbar machte – die Brenner wurden nach der Stillegung demontiert, wie auch der Sargtisch.



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