Das RUDE - Rock unter den Eichen –

dieses gemütliche, kleine Metal-Festival an der Elbe nördlich von Magdeburg.

Von Engersen nach Bertingen sind es mit dem Auto gerade mal ein Katzensprung, etwa eine Stunde Fahrtzeit. Überall spürt man noch ein wenig DDR-Flair, die Landschaft ist atemberaubend schön und herrlich ruhig. Entlang der schmalen Straßen und durch die Wälder fühlt man sich regelrecht in eine andere Epoche versetzt. Es gibt kleine Campingplätze, und gezeltet wird direkt neben dem Wagen. Überall trifft man auf freundliche Metaller, die Stimmung ist entspannt und herzlich. Das Festivalgelände liegt nur einmal quer über die Dorfstraße – eingebettet zwischen mächtigen Eichen und anderen Bäumen, die stets angenehmen Schatten spenden. Zusätzlich gibt es eine zweite Bühne, die Nebenbühne, gesponsert vom Schwarzer-Bock. Dort spielen freitags und samstags in den Umbaupausen lokale Coverbands. Das Konzept geht voll auf, denn bekannte und beliebte Songs funktionieren live einfach immer hervorragend. Die Hauptbühne liegt hinter einem kleinen Hügel, sodass man jederzeit beste Sicht hat, keine Überschneidungen und der Sound durchweg erstklassig ist. Die Preise für Getränke und Speisen sind mehr als fair bemessen, und richtige Toiletten sind selbstverständlich auch vor Ort.

Nachdem ich bei Regen angereist war, hat sich das Wetter inzwischen auf „großartig“ gedreht. Auf der kleinen Bühne spielte am Freitag JAKE & COKE – klanglich zwar eher eine Light-Version von MOTÖRHEAD, doch bis zum Bart des Frontmanns und zur Mikrofonhöhe hin absolut authentisch gecovered. Mir haben sie wirklich sehr gut gefallen! 

JAKE & COKE

Maggots

Mit „Maggots“, was übersetzt „Maden“ bedeutet, startete es auf der Hauptbühne richtig heftig. Endlich gab es wieder Death Metal ohne Schnörkel – gnadenlos brutal und perfekt geeignet, um ordentlich im Moshpit abzurocken! Endlich mal wieder heftiges Geballer und dreckiges Gegrunze aus den finstersten Tiefen der Hölle! Der Musikstil ist laut, schnell und alles andere als fröhlich: Beim Black Metal dreht sich in den Texten weniger alles um Liebe, sondern vielmehr um Tod, Verderben und Pestilenz. Auf diesem düsteren Fundament baut die laute Band schon lange erfolgreich auf – es war ein grandioser Abriss.

Yardfield Colony

Weiter ging es mit Yardfield Colony – einer Death Metal-Band aus Chemnitz. Die Jungs sind längst keine Unbekannten mehr; seit 2012 liefern sie regelmäßig ab und bringen besonders live jede Menge Energie auf die Bühne. Ihr neuestes Album „The Doomestication“ (29.11.2025) wird von Kritikern hochgelobt, da es ihren Sound verfeinert, die Produktion kraftvoll und dennoch transparent gestaltet ist und sich thematisch mit der menschlichen Psyche sowie Domestizierung auseinandersetzt. Auf ihrem aktuellen Werk haben sie richtig Bock auf Groove, Abwechslung und pure Zerstörung.

Black Adder

Pünktlich um 16:10 Uhr betrat Black Adder die Bühne – Black Adder? Diesen Namen hatte ich vorher noch nie gehört. Die Band steht für klassischen Heavy Metal und widmet sich dem Oldschool-Sound der 80er Jahre, ganz im Stil von Iron Maiden und Judas Priest. Die fünfköpfige Truppe stammt aus dem niedersächsischen Ocholt, nahe Oldenburg. Ihr Programm besteht ausschließlich aus eigenen Kompositionen. Die Herren lieferten ein mehr als beeindruckendes Set ab und wurden von den RUDE-Besuchern vor der Bühne frenetisch gefeiert.

Embedded 

Embedded – Wer auf brutalen, technisch versierten und einfach kraftvollen Death Metal der alten amerikanischen Schule steht, kommt an den Osnabrückern EMBEDDED nicht vorbei. Dass die Jungs schon seit Jahren aktiv sind, hört man nicht nur an ihrem extrem tightem Zusammenspiel, sondern auch an ihrem geschickten, abwechslungsreichen und gut ausbalancierten Songaufbau. Besonders die vielen Wechsel zwischen ultraschnellen Blastbeats, drückenden Grooveparts und dem variablen Gesang halten die Spannung von der ersten bis zur letzten Note konstant hoch. EMBEDDED zelebrierten wütenden und zugleich unterhaltsamen Brutal Death Metal, der bei den Fans richtig gut ankam.

NECROTTED

NECROTTED – haben die Bühne regelrecht zerlegt. Schonungslos für Ohren und Nacken gaben die Jungs Vollgas. Brutale Gitarrenriffs, zermürbende Blastbeats, stampfende Slam-Parts, gelegentliche Black-Metal-Einflüsse und die intensiven Screams des Sängers machten das Set nahezu perfekt. Necrotted nagelten uns ihr Set gnadenlos an die Birne.

Stillbirth

Stillbirth haben mich mal wieder komplett umgehauen! Ihre Musik, die sie selbst als „Brutal Surf Death Metal“ bezeichnen, ist extrem robust und definitiv ein Schatz in der Metal-Szene. Und wie könnte man diese Band nicht lieben, wenn sie in Bermudashorts auf der Bühne stehen? Ihre auffälligen Outfits sind genauso außergewöhnlich wie ihre Musik – ein echtes Fest für Augen und Ohren!

Naglfar

Naglfar, die Black-Metal-Götter aus dem schwedischen Umeå – In der nordischen Mythologie ist NAGLFAR das Totenschiff, das aus den ungeschnittenen Nägeln der Toten besteht und als das größte Schiff aller Zeiten gilt. Die Band sieht sich selbst als Außenseiter der Szene, zählt aber zu den langlebigsten skandinavischen Black-Metal-Acts. Dass es ihnen gelingt, in 60 Minuten beweglich zu bleiben und sich keine Zerrungen einzufangen, weil sie sich womöglich über ihre bekannten Grenzen hinaus belasten würden, ist eine Meisterleistung. Andererseits braucht man keine rosarote Nostalgie-Brille, um zu erkennen, dass NAGLFAR ihr hohes Niveau souverän halten. Eine echte Legende stand auf der Bühne und tauchte immer tiefer in dunkle Atmosphären ein. „Danke, dass ihr an Metal glaubt“, sagt Kristoffer W. Olivius. Der Auftritt war definitiv eines der Highlights des Festivals.

Das RUDE 2025 läuft auf Hochtouren und so hatten Rotting Christ danach leichtes Spiel, die Menge in maximale Partylaune zu versetzen. Die Griechen gehen seit Jahren ihren ganz eigenen stilistischen Weg, der inzwischen am ehesten als Dark Metal bezeichnet werden kann. Nach 35 Jahren des Bösen haben Rotting Christ die Zeit überdauert. Sakis Tolis, sein Bruder Themis und ihre griechischen Mitstreiter sind aus dem Athener Underground hervorgegangen und zählen heute zu den verlässlichsten Größen der Metalszene. Ihre umfangreiche Diskografie hat den Black Metal geprägt und gleichzeitig herausgefordert. Während sie sich auf ein monumentales Jahr 2026 vorbereiten, veröffentlichten Rotting Christ am 08.12.2025 ein neues Live-Video aus der kommenden Blu-ray-Edition „35 Years of Evil Existence – Live In Lycabettus“. ROTTING CHRIST ließen die große RUDE-Party am Freitag gebührend ausklingen – einfach großartig!

 


Im Anschluss machte ich mich mit fettem Ohrenrauschen auf den Heimweg – leider konnte ich am Samstag nicht dabei sein, da ich eine Hochzeit begleitet habe.

 

 

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