Impressionen von der Open Stage sind ganz zum Schluss des Beitrages zu sehen
Was für ein absolut grandioser Abend das gewesen ist! Die letzte Open Stage dieses Jahres ist nun auch schon Geschichte – und sie war nicht nur festlich, sondern auch laut und wild, genau so, wie wir sie lieben und feiern. Meine Anfahrt verlief wie gewohnt entspannt, trotz der frostigen 1 Grad, dem vielen Wild am Straßenrand und dem dichten Nebel. Im Grunde ist es immer dasselbe bewährte Ritual: ankommen, Freunde begrüßen, Jacke ablegen und die Kameras startklar machen. Von Detlev bekam ich ein kleines Nikolausgeschenk – einen winzigen Bilderrahmen in Form einer Schneeflocke. Darin steckte unser Gruppenfoto vom diesjährigen HelmFest. Wie liebenswert ist das denn bitte von ihm gewesen? Obendrauf gab’s noch ein schönes Portrait von ihm persönlich. Ach, wie habe ich mich darüber gefreut!
Für schlappe zehn Euro Eintritt und eine Stimmung, die wie immer einfach nur übertrieben genial war, durften wir wieder einen richtig fetten Abend mit sensationellen Bands erleben. Wer hat am vergangenen Freitag eigentlich die Open Stage in Oebisfelde gerockt?
Final Stanza
Final Stanza aus Gifhorn – so richtig warm geworden bin ich mit dieser Truppe nicht, aber hey, das ist auch nicht weiter dramatisch. Wichtig ist doch, dass ihr euren Spaß hattet. Die Band serviert progressiven Rock mit einem Schuss 70er-Jahre-Charme und der Power der 80er: komplex, warm und episch. Das Trio entführte euch auf eine musikalische Reise, bei der Synthesizer, Gitarren und große Melodien ordentlich funkelten. Nach ihrem Auftritt stellte unsere Susanne noch ein paar Fragen an die Band. Welche Band hat euch am meisten geprägt und warum genau diese? Sänger Atilla Gütay antwortete: „Es war die Band Saga – ganz klar Saga. Warum? Mit 15 stand ich in einem Second-Hand Laden, sah dort die Heuschrecke auf einer Vinyl und dachte sofort: Das muss gute Musik sein! Also habe ich sie gekauft, zu Hause aufgelegt – und dann war es um mich geschehen.“ Die nächste Frage von Susanne lautete: „Welche versteckten musikalischen Kleinigkeiten in euren Songs erkennt wirklich nur jemand, der genau hinhört?“ „Ja, da gibt’s einige“, so Atilla, „das ist schwierig zu sagen. Ich würde empfehlen, uns einfach öfter zu hören – dann entdeckt man sie bestimmt.“ Die letzte Frage: „Welche Elemente machen für euch einen guten progressiven Rocksong aus – Melodie, Struktur, Groove oder die Überraschung zwischendurch?“ Die Antwort: „Alles zusammen und vor allem ganz viel Keyboards.“ Atilla erwähnte zudem, dass die Position des Keyboarders in der Band noch frei sei – falls jemand jemanden kennt, darf er sich gerne bei Final Stanza melden.
Extinct
Nach einer kurzen Umbaupause kam mein erster Headliner des Abends: Extinct Die Band aus Kiel wurde 2003 in Rendsburg (Schleswig-Holstein) gegründet und spielt eine Mischung aus Old-School-Thrash-Metal und modernen Death/Thrash-Elementen. Ihre größten Einflüsse stammen von den legendären Thrash-Metal-Bands der 80er Jahre aus den USA und Deutschland wie Metallica, Slayer und Kreator. Bei „Mental Disorder“ wurde schnell klar, dass diese Jungs zwar eine Hommage an die alten Metal-Heroen sind, aber dennoch ihren eigenen Weg gehen. Hier steckt echtes Talent drin, besonders bei den außergewöhnlichen Gitarristen. Ihre Fähigkeit, Soli zu spielen, die vertraut klingen und gleichzeitig unverwechselbar sind, hat mich ehrlich gesagt schwer beeindruckt. Mit „Slaughter in the Trenches“ und „Falsch gesät“ rissen sie das Publikum mit. Aber verdammt nochmal – jemand muss mir bitte noch erklären, was „I l wast“ eigentlich bedeutet! Zum krönenden Abschluss gab es den absoluten Knaller in ihrer Setlist: „Lickspittle“. Die Band beweist eine unglaubliche stilistische Vielfalt und exzellentes Songwriting, nirgendwo sonst kommt ihre Fähigkeit besser zur Geltung, eine eingängige Thrash-Metal-Hymne im Pop-Gewand zu kreieren als hier. Ein mitreißendes orientalisch angehauchtes Riff trifft auf treibende Becken, abwechselnden Gesang und Sprechgesang – am Ende fühlt man sich wie nach einem Hörerlebnis jenseits von klassischem Underground Metal. Ein richtig guter Song! Der Gesang war kraftvoll, die harmonische Atonalität der Gitarren wunderschön – ein absoluter Volltreffer! Extinct arbeitet derzeit an einem neuen Album, das im Mai 2026 erscheinen soll. Auf die Frage von Patrick, ob man schon erste Songs hören könne, kam ein klares „Nein“ von Helge Hentrop. Sobald es Neuigkeiten gibt, werden sie auf den Kanälen von Extinct veröffentlicht. Ich freu mich darauf!
Out the Mouse
Weiter im Programm mit meinem zweiten Headliner des Abends: Wer beim Metal Frenzy arbeitet, kann auch gleich selber Musik machen. Ihre Groupies standen auch gleich mit auf der Stage - Out the Mouse – Alter Schwede, hier ging wirklich die Post ab! Schlagerpunkrock vom Feinsten, und wie gewohnt gab’s das Fleisch frisch aus dem Toaster – dafür brauchte die Band natürlich auch einen Koch, der sich drum kümmerte. Whisky fragte mich, ob ich heute den Kochjob übernehmen wolle – ein bisschen schüchtern war ich schon, aber es dauerte gerade mal zwei Sekunden, bis sich jemand meldete. Die härtesten Metalfans tanzten und sprangen die gesamte Setlist über, und beim letzten Song „Gummibären“ waren selbst die brutalsten Metaller textsicher – nur ich hatte so meine Schwierigkeiten beim Mitsingen. Leider wurde an diesem Abend auch Passi's letzter Auftritt im Nordsound Showroom mit Out the Mouse gefeiert – aber keine Sorge, es folgen noch zwei gemeinsame Auftritte. Susanne stellte der Band einige Fragen – Whisky gab vorab schnell noch ein Update: Neues Album steht an und eine Welttournee ist geplant 🤣– doch diese Fragen wollte Susanne nicht stellen. Erste Frage: Welcher Schlagersänger hätte wohl am ehesten die Chance, mit euch auf Tour zu gehen? Whisky - „Na der Roland, der Kaiser“, lautete die Antwort. Die nächste Frage ging an Florian: „Wo kommt ihr her?“ Seine Antwort: „Ich komme aus meiner Mutter.“ Daraufhin fragte Susanne: „Was ist das Schrillste, was ihr je gemacht habt?“ Die Antwort von Whisky: „Nehmt Passi und streicht das ‚P‘ weg.“ Musik, bei der man nicht weiß, ob man lachen, moshen oder mitschunkeln soll – also wurde alles gleichzeitig erledigt. Absoluter Abriss! Für mich und viele andere war das der kulturelle Höhepunkt des Abends. Einfach genial!
Sin Arrest
Zum Abschluss und somit als letzte Band des Abends stand Nu Metal auf dem Programm. Sin Arrest aus Mieste, wo man durchaus Herzrhythmusstörungen bekommen kann – und ich muss gestehen: Ich hatte
vorher noch nie von dieser Band gehört. So nah und doch so fern. Nu Metal in seiner rebellischsten Phase. Das zickige Adoptivkind der 90er, das man heimlich vergöttert. Wuchtige Riffs, „Was zur
Hölle passiert hier gerade?“-Vibes und eine Energie, die dir die Mütze vom Kopf weht. Und so ist dieser fette Abend auch schon wieder vorbei.
Bei fünf Grad und ohne Nebel fuhr ich langsam nach Hause – mit einem ordentlichen Ohrensausen als Souvenir.
Impressionen