Kommen wir nun zum zweiten Tag des Festivals beim Rock in Rautheim.

Gegen 11 Uhr machte ich mich auf den Weg nach Rautheim. Heute hatte ich vorsorglich noch einen zusätzlichen Hoodie eingepackt. Nach einer guten Fahrt von etwa 70 Minuten erreichte ich schließlich den Parkplatz, wo ich bereits mit einem freundlichen Winken begrüßt wurde. Auch Kai kam gerade über den Parkplatz gelaufen, um zu sehen, ob ich schon angekommen sei – er war eine Stunde früher losgefahren, weil er dachte, ich würde genauso früh starten. Da sollten wir uns wohl besser absprechen. Nun ja – in meinem Auto befanden sich noch ein paar Bierchen, von denen wir gleich eines gemeinsam öffneten. Währenddessen trafen auch die anderen nach und nach ein. Als unser Bier leer war, ging es dann endlich aufs Festivalgelände. Feuerschwanz führte gerade seinen Soundcheck durch – auf diese Band hatte ich mich schon sehr gefreut. 

Kurz bevor der Headliner des Abends seinen Auftritt begann, betrat Marco mit einigen Mitgliedern seiner Crew die Bühne. Er bedankte sich herzlich bei allen für das großartige und gelungene Festival. „Ich glaube, wir alle spüren momentan sehr deutlich, wie verrückt die Welt gerade ist. Jeder, der irgendwie anders ist – sei es durch eine Beeinträchtigung, seine queere Identität oder einfach als Frau – erlebt zunehmend Ausgrenzung, Hass und Hetze, gerade wenn man mal auf Facebook reinschaut. Aber auch im sozialen Bereich wird gespart, sei es in der Kultur oder bei der Eingliederungshilfe, als ob Menschen nur Kostenfaktoren wären – dabei sind sie das nicht.“

 

Marco fuhr fort: „Dann läuft man hier zwei Tage über das Gelände und sieht in eure strahlenden, glücklichen Gesichter – dieser krasse Gegensatz ist unfassbar. Man hat eigentlich Sorgen wegen der Welt da draußen und hier sieht man nur Freude.“ Aus dem Publikum ertönte Jubel und Applaus – genau das ist es, was Marco meint: Warum Rock in Rautheim unter den 1600 Festivals in Deutschland so einzigartig ist. Hier wird echtes Miteinander gelebt, Liebe und Respekt spürbar gemacht. „Wenn ich sage, dass ich große Sorgen habe wegen der verrückten Welt da draußen, dann braucht es immer wieder die Helden des Alltags – und diese Helden seid ihr! Vielen Dank, dass ihr da seid.“

 

Marco würdigte außerdem die zahlreichen Helfer vor Ort: 552 ehrenamtliche Unterstützer sind beim Rock in Rautheim aktiv – sie haben zwei Tage lang gearbeitet sowie bereits seit Montag beim Aufbau geholfen. Das Besondere daran: Alles geschieht in inklusiven Teams – wirklich einzigartig! Ein großes Dankeschön an alle Helfer! Zudem bedankte sich Marco bei den Unterstützern und Sponsoren, insbesondere beim Hotell 666 Metalclub e.V., die mit großer Hilfe dafür sorgen, dass alles möglich ist. „Ihr seht es an den großen Leinwänden – das funktioniert nur durch unsere Sponsoren, die das Rock in Rautheim auch finanziell fördern und damit erst ermöglichen.“ Diese haben erkannt, wie wertvoll und einmalig dieses Festival ist – vielen Dank an alle Unterstützer!

 

Marco erinnerte daran, dass alles im Jahr 2002 in einer Kantine begann und rief anschließend Thore Lindemann auf die Bühne. Das Publikum applaudierte und rief seinen Namen immer wieder. Marco erklärte lachend, dass Thore der Chef der Bühnenbaufirma sei (auch wenn er das nicht ganz korrekt formulierte – aber das war egal). Thore hatte 2002 mit drei Podesten und zwei Boxen angefangen und ist seitdem mit dem Rock in Rautheim stetig gewachsen – eine beeindruckende Entwicklung! Wenn man die Rollibühne sehe, die 2022 bzw. 2023 als Hauptbühne diente – genau jener Trailer –, so sagt Thore immer: „Diese Bühne können wir genau dreimal ineinander stellen.“ Das klingt einfach genial! Marco bedankte sich herzlich bei Thore dafür, dass das Rock in Rautheim so glücklich ist, ihn mit seinem gesamten Team an seiner Seite zu wissen.

 

Zum Abschluss seiner Rede gab es noch die finale Rufe mit dem Publikum: Dreimal hallte es lautstark „Rock in Rautheim“ über das Gelände. 
Was für eine zutiefst herzliche Ansprache das von Marco gewesen ist. 

Inklusionsband MHLK Experiance

Nun aber zum heutigen Tag. Endlich auf dem Festivalgelände angekommen, galt es wie gewohnt, alle Gesichter die man so kennt zu begrüßen. Kurz vor 14 Uhr machten Kai und ich uns dann zielstrebig auf den Weg zur Bühne, denn um Punkt 14 Uhr sollte die Inklusionsband MHLK Experiance den heutigen Festivaltag eröffnen. Und dann passierte es – ich wurde regelrecht umgehauen, als plötzlich aus den Boxen direkt in meine Ohren „Ace of Spades“ von Motörhead dröhnte. „Was zum Teufel?“, dachte ich mir, „Wie abgefahren ist das denn!“ War Lemmy etwa mit seiner Jacky Cola von seiner Wolke aus zu uns auf’s Rock in Rautheim gekommen? Mit schnellen Schritten ging ich weiter zur Bühne, völlig gebannt und wie gelähmt – so sehr, dass ich nicht einmal fotografieren konnte. Einfach nur beeindruckend – gigantisch! Nach dem Song stellte Leo die Band vor: „Wir sind die Inklusionsband aus Braunschweig. Eine Metal-Cover-Band natürlich, aber wir schreiben auch eigene Songs.“ „MH“ steht für Michel Holzen und „LK“ für Leo Kuchmetzki. Unterstützt werden beide Bandleader von ihren Vätern, die den Zusatz „Experience“ bilden – Ingmar Holzen und Arno Kuchmetzki. Gegründet wurde die Band am 4. Mai 2024. Die Band hatte uns mit einer Reihe von Hardrock- und Metal-Klassikern ordentlich eingeheizt. Ich werde diese Jungs definitiv im Auge behalten – sie haben mir echt richtig gut gefallen!

Stereo Start

Nach dem fulminanten Auftakt der Inklusionsband MHLK Experiance geht es weiter mit Stereo Start aus Braunschweig. Stereo Start ist eine deutschsprachige Indie-Rock-Formation aus Braunschweig. Genauer gesagt, präsentieren sie facettenreichen Indie-Rock, der mal charmant mit Tante Pop kokettiert und sich dann wieder in härtere Klangwelten wagt. Auch wenn die vier Musiker klanglich etwas unkonventionell erscheinen, wird rasch deutlich, dass sie eine treue Fangemeinde mit tiefem Textverständnis mitbringen. Besonders beeindruckend sind ihre Ehrlichkeit und die spürbare, riesige Leidenschaft für die Musik. Das wird vor allem „Live“ auf der Bühne deutlich – hier wird absolut authentisch gearbeitet, und man kann die Energie sowie die Hingabe förmlich greifen. „Lasst uns das Leben feiern“ – mit diesem kraftvollen Leitspruch geht die Sängerin Madga voran. Es berührt zutiefst, wie verschiedenartige Menschen gemeinsam ausgelassen feiern, ganz gleich, welche Einschränkungen sie möglicherweise mit sich tragen. Selbst ein Wikinger, gekleidet in ein Amon-Amarth-Shirt, lässt sich von den Indie-Rock-Rhythmen mitreißen und schwingt seine Mähne. Die Hälfte der Einnahmen aus dem Merchandising der Band wird an diesem besonderen Tag der Lebenshilfe gespendet – eine großartige Aktion! Wer auf deutschsprachige Gitarrenmusik steht, die sich nicht zu sehr an den Charts orientiert, findet hier genau das Richtige.

Victorius

Im Anschluss betrat Victorius die Bühne – den ganzen Tag über fiel mir auf, wie viele Fans mit Merchandise der Band unterwegs waren, darunter sogar eine Kutte, die komplett mit Victorius-Patches behangen war. Auch ich konnte nicht widerstehen und schnappte mir ein Patch der Band. Zum fröhlichen Gute-Laune-Metal zeigte sich endlich die Sonne. Jetzt luden Victorius aus Leipzig zu einem epischen Duell mit Dinos and Dragons ein. Schon vor der Bühne warteten die Dinosaurier und Drachen geduldig, während die Band ihr eigenes Power-Metal-Universum zum Leben erweckte – laut, visuell beeindruckend und kompromisslos inszeniert. Jeder Song ist ein Kapitel einer größeren Geschichte – und genau das spürt man live: durchdachte Showelemente, ein unverwechselbarer visueller Stil und eine mitreißende Performance, die weit mehr bietet als nur das bloße Abspielen der Stücke. Autogramme und Fotos mit den Bandmitgliedern waren heiß begehrt, sodass man von einem rundum gelungenen Auftritt sprechen kann. Victorius live bedeutet: pure Energie ohne Verstellung. Eine Show, die aus dem Rahmen fällt – und garantiert unvergesslich bleibt.

Eleine

Von den lebhaften und farbenfrohen Klängen der Victorius führt der Weg zu den düsteren Metal-Künstlern Eleine aus Schweden, die ihren Platz beim Rock in Rautheim gefunden hatten. Mit ihrer unverwechselbaren Verbindung aus Symphonic und Dark Metal präsentierten Eleine eine mitreißende Darbietung. Die Schweden vereinten finstere Atmosphäre, kraftvolle Gitarrenriffs und majestätischen Gesang zu einer Show, die gleichermaßen intensiv wie faszinierend wirkte. Frontfrau Madeleine Liljestam beherrschte die Bühne mit starker Ausstrahlung und eindrucksvollem Gesang – von zarten, fast opernhaften Momenten bis hin zu energiegeladenen Höhepunkten.

Firewind

Jetzt war es an der Zeit für den fünften Akt des Tages: Firewind betraten die Bühne. Wie aus dem Nichts katapultierten sie sich mit voller Power durch die ersten Songs ihres Sets. Die Kracher Destination Forever, World On Fire und Falling To Pieces verwandelten das Festivalgelände prompt in eine dampfende Sauna voller Energie, erhobener Fäuste, ohrenbetäubendem Jubel und strahlender Gesichter. Firewind lieferten eine Performance ab, die mehr als überzeugte. Gus G. ließ es sich nicht nehmen, ein neues Album sowie eine Tour für 2027 anzukündigen.

Burning Witches

Mit Burning Witches lodert nicht etwa ein Scheiterhaufen, sondern einzig und allein die Bühne! Punktgenau legen die Schweizer mit „Soul Eater“ los, und gleich danach wird mit „Shame“ und „Dance With the Devil“ das Tempo gnadenlos auf Anschlag gedreht. So viel zur Betriebstemperatur! Schon nach nur zehn Minuten klettern die Temperaturen gefährlich nah an den Schmelzpunkt. Die darauffolgenden Songs werden vom Publikum nahezu bedingungslos gefeiert und lautstark mitgesungen. Burning Witches zünden ein wahres Feuerwerk aus Hymnen, knallharten Riffs und mitreißender Bühnenpräsenz, das das Rock in Rautheim unaufhaltsam erzittern lässt. Die Fans sind begeistert und feiern den Auftritt in vollen Zügen.

Feuerschwanz

Wie sehr habe ich mich auf Feuerschwanz gefreut! Als gegen 21:30 Uhr endlich das Licht ausging, gab es kein Zurück mehr. Mit „Drunken Dragon“ starteten Feuerschwanz ihre Show und machten sofort deutlich, dass sie in einer ganz neuen Liga spielen. Pyrotechnik, Funkenregen und dichte Rauchwolken verwandelten die Bühne in ein loderndes Spektakel, während das Publikum den eingängigen Refrain lautstark mitgröhlte. Der Opener war perfekt gewählt und passte bestens zur aktuellen „Knightclub“-Phase, denn der Song stammt von derselben Platte. Mit „SGFRD Dragonslayer“ wurden erstmals die Stimmbänder der Fans auf die Probe gestellt. „Untot im Drachenboot“ präsentierte sich mit einer kraftvollen Performance der beiden Schildmaiden Hela und Yennefer – Äxte und Flammenwerfer inklusive. Bei „Bastard von Asgard“ kam es zum ersten Moshpit des Festivals. Alles, was an Feuer und Pyrotechnik möglich war, wurde in den Nachthimmel von Braunschweig geschossen - ein wahres Fest für Augen und Ohren. Trotz all der Eskalation gab es auch ruhigere, fast andächtig-mystische Momente. „Name der Rose“ entwickelte sich zum emotionalen Höhepunkt des Abends. Jetzt freue ich mich schon riesig aufs Rockharz, denn dort werden Feuerschwanz am Samstag spielen!

Fazit: Das Rock In Rautheim beweist erneut eindrucksvoll, dass gelebte Gemeinschaft, Leidenschaft und gegenseitiger Respekt perfekt in einem Metalfestival zum Ausdruck kommen können. Auch die nächste Ausgabe wirft schon ihre Schatten voraus (ich habe bereits darüber berichtet). Kultige Größen wie Rage, Doro und Lordi haben sich angekündigt. Die Tickets für 2027 waren an diesem Wochenende schon zum Frühbucherpreis von 69 Euro (statt regulär 79 Euro) in begrenzter Anzahl erhältlich. Nichts steht also mehr einer weiteren ausverkauften Ausgabe dieses inklusiven Festivals im Weg. Bereits jetzt sind ⚠️ 50 % DER KARTEN VERKAUFT! ⚠️ Wir sehen uns! 

 

 

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