Zwei Tage voller mitreißender Musik, herzlicher Begegnungen und einer Stimmung, die kaum in Worte zu fassen ist.
Ich bin zwar auf zahlreichen Festivals jedes Jahr unterwegs, doch Rock in Rautheim hat mich auf eine ganz besondere Weise beeindruckt. Nicht nur wegen der Musik, sondern vor allem wegen der
Menschen vor Ort. Was das Team um Marco Spiller auf die Beine stellt, ist schlichtweg großartig. Ob Crew, Security, Helfer, Thekenpersonal oder Besucher – selten habe ich so viele freundliche,
offene und hilfsbereite Menschen an einem Ort erlebt. Jeder war aufmerksam, respektvoll und sofort zur Stelle, wenn irgendwo Unterstützung gebraucht wurde. Diese selbstverständliche Art des
Miteinanders hat mich wirklich tief beeindruckt.
Auch ich möchte DANKE sagen für zwei unglaublich tolle Tage, bei denen ich mit meiner Kamera dabei sein durfte. Rock in Rautheim – ein Festival der Extraklasse! Rock, Metal und Inklusion – eine perfekte Kombination! Genau dadurch entstehen bei Rock in Rautheim besondere Begegnungen und eine einzigartige Atmosphäre, die unter anderem mit dem Niedersächsischen Inklusionspreis gewürdigt wurde. Es ist das größte Rock- und Metal-Inklusionsfestival im ganzen Bundesland. Menschen mit Beeinträchtigungen sind hier nicht nur herzlich willkommen, sondern gestalten das Festival aktiv mit. In diesem Jahr waren insgesamt 560 ehrenamtliche Helfer in sämtlichen Bereichen für die Lebenshilfe Braunschweig im Einsatz.
So sieht gelebte Inklusion bei Rock in Rautheim aus: Ein Pflege-Team in roten Shirts oder Hoodies steht jederzeit für Unterstützung bereit. Eine Rollstuhltribüne bietet Menschen mit Behinderung und ihren Begleitpersonen einen optimalen Platz – genau diese Tribüne war 2002 der Ursprung des Festivals. Außerdem gibt es barrierefreie und pflegegerechte Toiletten, ausgelegte Wege auf unebenem Terrain, rollstuhlgerechte Kabelbrücken sowie gepflasterte Flächen, auch direkt vor der Bühne. Zwei große Leinwände neben der Bühne sorgen für beste Sicht auf das Geschehen. Die Lebenshilfe Braunschweig veranstaltet die Konzertabende bereits seit 2002 mit dem Ziel, Menschen mit Beeinträchtigung zu begleiten, zu fördern und gemeinsam mit ihnen ein selbstbestimmtes Leben mitten in der Gesellschaft zu gestalten – „Mittendrin. Nebenan.“ Ende 2018 reifte die Idee, aus dem einstigen Konzert ein richtiges Festival zu machen. Mit internationalen Top-Bands hat Rock in Rautheim seither viel Aufmerksamkeit und Anerkennung erlangt. Integration muss nicht leise sein – das beweist dieses Festival seit vielen Jahren eindrucksvoll und wächst dabei stetig weiter zur Freude von Veranstaltern und Publikum. Vom Catering bis zur Produktion des eigenen Merchandisings wird vieles eigenständig organisiert. Die Lebenshilfe Braunschweig erhält dabei tatkräftige Unterstützung vom Hotel666 und dem Metalclub e.V. . Dieses Jahr war das Festival mit 3500 Besuchern wieder komplett ausverkauft. Darunter befinden sich auch viele Kinder im Grundschulalter, für metallische Früherziehung ist also schon einmal gesorgt. Inzwischen kenne ich viele Menschen, die man meist nur auf Festivals trifft – es fühlt sich jedes Mal an wie nach Hause kommen.
Das RiR braucht sich vor keinem anderen Festival zu verstecken: Das Line-up ist jedes Mal ein absoluter Hammer! Auch das Programm für 2027 kann sich sehen lassen – natürlich konnte man sich gleich Tickets für das kommende Jahr sichern. Diese Bands werden 2027 in Rautheim für ordentlich Stimmung sorgen: Beyond The Black, Doro, LORDI, Rage, Frozen Crown, Metalite, Alterium, Leatherwitch, NAILED TO OBSCURITY, Ambush, ODC, Mission in Black, Amalgam und Lucifer Star Machine. Es wird wieder ein großartiges Festival!
Doch beginnen wir zunächst mit dem 08.05.2026 – dem ersten Festivaltag. Das Gelände öffnete um 13 Uhr seine Tore.
Pünktlich um 14 Uhr ertönten die ersten mächtigen Klänge. Ahoi, Kameraden, lasst uns gemeinsam mit Terra Atlantica in See stechen! Die Hamburger Powermetaller Terra Atlantica legten los. Eingängige Melodien, Refrains zum sofortigen Mitsingen, mitreißende Chöre, Songs voller Lebensfreude und stimmungsvolle Balladen – all das boten sie auf der Bühne. Mit ihrem vierten Album „Oceans“ (2025) und Einflüssen von Sabaton und Running Wild entführten sie das Publikum in epische Abenteuerwelten und erzeugten eine authentische Piraten-Atmosphäre. Terra Atlantica erzählen in ihren Liedern von der Legende Atlantis und anderen maritimen Geschichten. Sie lieferten nicht einfach nur Musik – sie schenkten uns die Piratenhymnen des Sommers, geschmiedet aus purem Stahl, Schweiß und tropischer Hitze. Ein Festivalauftakt, das nach Palmen und Pulverdampf duftet, nach Meeresrauschen und Kanonendonner klingt – ein Auftakt, der wirklich Eindruck hinterließ!
Band Nummer zwei, ein klangliches Meisterwerk aus dem malerischen Norditalien. Zum Glück sind Moonlight Haze keine gewöhnliche Formation in ihrem Genre, sondern sprühen vor Lebendigkeit und klingen dabei keineswegs überproduziert. Die Gitarren dominieren klar das Klangbild, während das Keyboard hauptsächlich atmosphärische Unterlagen schafft. Die Stimme hinter der italienischen Symphonic-Power-Metal-Band Moonlight Haze gehört Chiara Tricarico. Sie gründete die Band im Jahr 2018 und ist für ihre facettenreiche Gesangspalette bekannt, die von opernhaften Tönen bis hin zu rockigen Passagen reicht. Das aktuelle Album »Beyond«, veredelt durch den Produzenten Sascha Paeth und stimmlich erneut getragen von Frontfrau Chiara Tricarico, die inzwischen auch zur festen Live-Besetzung von AVANTASIA zählt – kein Wunder also, dass auch der Avantasia-Gitarrist Sascha Paeth persönlich vor Ort war. Moonlight Haze haben mich restlos überzeugt.
Es folgten die Grailknights aus der Landeshauptstadt Hannover. Rauchschwaden hängen in der Luft. Dr. Skull betritt die Bühne, den Heiligen Gral fest in der Hand. Die heldenhafte Truppe der Grailknights hat an diesem Abend einen gigantischen Battlechoir im Gepäck und ruft gemeinsam die Ritter des Lichts herbei. Mit tosendem Applaus stürmen die Grailknights auf die Bühne. Bunte Umhänge wehen, heroische Posen werden eingenommen, Muskeln spielen unter der Haut. Ein kurzer, entschlossener Blick in dieselbe Richtung – dann legen sie los. Von der ersten Sekunde an haben sie das Geschehen voll im Griff. Die Band nutzt jede Ecke der Bühne, wechselt ständig die Positionen. Auf ihrer musikalischen Jagd nach dem Heiligen Gral, den Dr. Skull entwendet hat, sind sie auch auf die Kraft des Battlechoirs angewiesen. Der Kampfruf ertönt: „Grailknights Battlechoir!“ – das Publikum schallt zurück: „Yes Sire!“ Und so geht der Kampf unaufhaltsam weiter. Selbstverständlich triumphiert am Ende das Gute. Wetten, dass sie neben diesem epischen Sieg auch zahlreiche neue Fans für sich gewinnen konnten!
Nach diesem mitreißenden, powervollen Metal-Feuerwerk führte uns die Reise direkt aus unserer Heimat quer über den Atlantik bis nach Kalifornien. Ehrlich gesagt muss ich gestehen, dass mir die Band zuvor völlig unbekannt war. Umso mehr hat mich überrascht, welch beeindruckendes Potenzial die USA hier präsentieren. Eine erstklassige und kraftvolle Darbietung – voller Energie, ohne dabei übertrieben laut zu sein, aber dennoch dem Hard Rock in vollem Umfang gerecht werdend. Rund 80 Minuten erstklassiger Hard Rock, gekrönt von einer Sängerin, die mit unbändiger Leidenschaft ans Mikrofon geht – diese Reise hat sich definitiv ausgezahlt.
Jetzt wurde es episch mit Riot V. An diesem Freitagabend, der so eisig war, dass ich kurz davor stand, mir einen warmen Tee zu gönnen, legten RIOT V innerhalb ihrer knappen 80 Minuten Spielzeit alles auf den Tisch. Die Stimmung kochte über, unzählige Fans reckten ihre Hörnergabeln gen Himmel, Fäuste wippten im Takt, Köpfe wirbelten wild umher, Langhaarmähnen flogen durch die Luft und Refrains wurden lautstark mitgegröhlt – die aus New York stammende Band legte los und bewies einmal mehr, dass die alte Garde sich vor den Jüngeren keineswegs verstecken muss. Ein erstklassiger Gig der Herren, der sowohl Jung als auch Alt im Publikum restlos begeisterte.
Piraten kennen keine Ruhe – ebenso wenig wie die stürmische See! Den vorletzten Act des Abends habe ich auf dem Rockharz-Festival entdeckt und war bereits damals total hin und weg. Visions of Atlantis – diese Truppe ist berühmt für ihre mitreißenden und dramatischen Live-Auftritte. Die österreichische Symphonic-Metal-Band entführt ihr Publikum mit cineastischen Piraten- und Fantasy-Motiven auf eine epische musikalische Expedition. Visions of Atlantis spinnen Erzählungen von gewaltigen Abenteuern auf offener See und verpacken diese in majestätische Symphonic-Metal-Hymnen, die an Filme erinnern. Seit ihrer Gründung im August 2000 verbreiten sie ihre Musik weltweit und werden dabei fast schon wie ein Kult weitergegeben. Von Anfang an überzeugte die Band mit einer kraftvollen Mischung aus den Stimmen der Piratenkönigin und des Matrosen, die brillant von Clémentine Delauney und Michele Guaitoli verkörpert wird. Beide Sänger beherrschen eine beeindruckende stimmliche Bandbreite, die sanfte Melodien mühelos mit kraftvollen, opernhaften Passagen verbindet. In einem Ambiente, das an ein echtes Piratenschiff erinnert, und perfekt inszeniert mit Licht und Effekten, durfte man dort Zeuge einer grandiosen Show werden.
Da sind sie, die Melodic Power Metal-Champions aus Arnsberg! ORDEN OGAN feuerten eine mächtige Ladung ihres rasanten Metals ab. Vom allerersten Ton an hatten sie das Publikum fest im Griff und
zelebrierten mit grandiosem Sound, atemberaubender Lichtshow und purer Spielfreude ihre epische Geschichte rund um Alister Vale. ORDEN OGAN zählen zweifellos zu den absoluten Highlights der
Power-Metal-Szene und sind aus der internationalen Metal-Welt längst nicht mehr wegzudenken. Das ist kein Zufall, sondern das Resultat einer seltenen Kombination aus Qualität und harter Arbeit.
Es gab tosenden Applaus, begeisterten Jubel und ein Meer aus Pommesgabeln!
Ein fulminanter Auftakt, der mit Orden Ogan ein würdiges Finale fand.